Ciao Gmail

Nach etwas über 3 Jahren verabschiede ich mich von Gmail. Für mich ein längst überfälliger Schritt.

Google Mail hat viele Vorteile, und ich bevorzuge es noch immer gegenüber den in Deutschland verbreiteten Freemail-Anbietern wie Web.de, GMX, T-Online, Freenet und Co. Während früher Postfachgrößen von rund 20MB gängig war, startete Gmail mit sagenhaften 1 GB. Mittlerweile stellt Google seinen Kunden 15 GB kostenlos zur Verfügung.

Obwohl ich bereits seit Jahren auf mehrere eigene E-Mail-Server setze und meine E-Mails über E-Mailprogramme wie Apple Mail, Microsoft Outlook und Thunderbird verwalte, habe ich die ganze Zeit über auch immer an einem Freemail-Anbieter festgehalten. Zu Zeiten von Modems und ISDN erstellte ich meine erste E-Mail Adresse bei Freenet, später wechselte ich zu Web.de und letztlich zu Google Mail. Darüber habe ich jeweils meist meinen privaten E-Mail-Verkehr abgewickelt und fand es nützlich, über das Webinterface von jedem internetfähigen Gerät mit Webbrowser auf meine E-Mails zugreifen zu können.

Doch spätestens mit der verbreiteten Nutzung von Two-step verification wurde mir bewusst, dass die Nachteile die Vorteile überwogen. Bei aktivierter Two-step verification muss man bei der Anmeldung von neuen Geräten für Google Dienste sein Mobiltelefon bereit halten, um neben seinem Passwort auch noch einen 4-stelligen TAN einzugeben, der per SMS gesendet wird. Diese Technik ist nützlicher und unkomplizierter, als sie sich zunächst anhört, aber damit wurde mir verdeutlicht, dass man ohnehin stets sein Smartphone bei sich trägt und der letzte Vorteil, das Internetcafe-Szenario, unwirksam war.

Somit war es gemäß meiner Überzeugung „Daten streuen, Privatsphäre wahren“ an der Zeit, Gmail den Rücken zu kehren und vollständig die Kontrolle über meine E-Mails zu übernehmen. Technisch gesehen war dies schnell geschehen. Mein Postfach auf meiner Philipp-Jumpertz.de-Adresse war bereits eingerichtet und so musste ich bei Gmail nur noch Weiterleitung aller eintreffenden E-Mails an meine neue E-Mail-Adresse einrichten. Zu Sicherheitszwecken schickt Google eine E-Mail an das Weiterleitungsziel, in der man bestätigen muss, dass man Kontrolle über das E-Mail-Postfach besitzt und der Weiterleitung zustimmt. Danach war die Weiterleitung eingerichtet. An dieser Stelle sei angemerkt, dass Gmail noch einige Versuche benötigte, bis die E-Mails tatsächlich weitergeleitet wurden. Zufall? Technische Fehler? Böse Zungen könnten jetzt behaupten, Google würde extra Steine in den Weg legen beim Versuch, sich von Gmail loszulösen.

Mit dieser Weiterleitung würde Google aber technisch immer noch in der Lage sein, meine Mails mitzulesen, daher ist es wichtig, die Anzahl der eingehenden E-Mails nach und nach zu reduzieren, um dann mittel- bis langfristig das Gmail-Postfach komplett zu löschen. Daher sollte man alle eingehenden E-Mails durchgehen und dafür sorgen, dass diese E-Mails zukünftig direkt an die neue E-Mail-Adresse gelangen. Bei E-Mails von echten Kontakten reicht dabei ein kurzer Hinweis per E-Mail, gerne auch mit angehängter aktueller Kontakt-Datei. Bei automatisch versendeten E-Mails muss die beim jeweiligen Dienst hinterlegte E-Mail-Adresse geändert werden. Dazu muss man sich meist beim jeweiligen Dienst anmelden und im Profil die Adresse ändern. Oft muss diese Änderung entweder in einer E-Mail an die alte und/oder neue E-Mail-Adresse bestätigt werden. Auch wenn sich das jetzt nach viel Arbeit anhört: letztlich handelten es sich bei mir um ca. ein Dutzend Dienste, die Änderung war an einem Abend durchgeführt.