Daten streuen, Privatsphäre schützen

Grundsätzlich bin ich der Überzeugung, dass es die Vorsicht und die Weitsicht gebietet, seine Daten nicht gebündelt bei einem Anbieter zu lagern. Gleichzeitig bieten einige große Firmen gleich eine Vielzahl an nützlichen Diensten, Funktionen und Tools an. Fans des modularen Denkens verfallen somit schnell dem Drang, alle möglichen Dienste bei einem Anbieter zu nutzen. Und wie ich zuletzt erfahren musste, können die einzelnen Dienste dabei weit unter dem Qualitätsdurchschnitt liegen, solange sie im Bundle daherkommen*.

Letzlich wird man oftmals dabei enden, dass ein Großteil der Daten bei drei oder vier Unternehmen liegen und der kleine Rest bei weiteren 5 bis 10 Anbietern. Es gibt natürlich auch Ansätze, bei denen man den Großteil seiner Daten unter seiner Kontrolle behält, allerdings sind diese oft für den durchschnittlichen Anwender nicht nutzerfreundlich. Somit ist es bereits ein Fortschritt, seine Daten auf mehrere Unternehmen zu verteilen, als 90 % seiner digitalen Existenz bei ein oder zwei Anbietern zu speichern.

Es wichtig, sich vor Augen zu führen, welche Dienste man wirklich benötigt und einen Mehrwert aus ihrer Nutzung zieht. Dazu prüft man am besten, welche Dienste man überhaupt bewusst oder unbewusst bereits nutzt, z.B. durch einen Blick in die Einstellungen „iCloud“ oder „Mail, Kontakte, Kalender“ auf Apple Geräten. Für die typischen Cloud-Dienste haben sich interessante Märkte mit einer Vielzahl an Marktteilnehmern entwickelt. So gibt es beispielsweise diverse unterschiedliche Anbieter zum Speichern in der Cloud und Synchronisieren von Fotos, E-Mails, Kontakten, Kalendereinträgen, Erinnerungen, Notizen, Browser Verlauf und Lesezeichen.

E-Mails und Notizen können über jedes herkömmliche IMAP-E-Mail-Postfach gespeichert und zwischen unterschiedlichen Geräten synchronisiert werden. Für die Synchronisation von Kontakten, Kalendereinträgen und Erinnerungen bieten Apple und Google gute, meist direkt ins Betriebssystem integrierte Dienste an. Dennoch gibt es auch hier einzelne Anbieter, die sich spezialisiert haben und Category Leader wie beispielsweise Evernote sind. Die Synchronisation von Browserdaten richtet sich danach, welchen Browser man vorwiegend nutzt. Es gibt für Apples Safari, Googles Chrome und Mozillas Firefox Dienste und Funktionen, die das Speichern von Lesezeichen und Verlauf in der Cloud ermöglichen. Fotos kann man je nach Belieben in der Dropbox, in Apples iCloud oder Googles Picasa speichern.

  • Fotos: Dropbox, Apple iCloud, Google Picasa
  • E-Mails: Eigener E-Mail-Server bei 1&1, Strato, DomainFactory, United Domains etc., Freemail bei Web.de, GMX, Freenet, Apple iCloud, Google Mail
  • Kontakte: FullContact, Evernote, Apple, Google
  • Kalendereinträge: Apple, Google
  • Erinnerungen: Evernote, Wunderlist, Apple, Google
  • Notizen: Jedes IMAP-E-Mail-Postfach
  • Browser: Google Chrome, Apple Safari, Mozilla Firefox

*Ein Bekannter wollte partout an seinem E-Mail-Postfach bei T-Online festhalten, obwohl dies ab 500MB kostenpflichtig wäre, der längst etablierte IMAP-Standart noch immer nicht richtig unterstützt wird und somit die fehlerfreie Synchronisation zwischen der neusten Version von Outlook und seinen iOS-Geräten nicht möglich war. Der Grund war, dass sowohl die Internetverbindung und das Entertain-Paket aus dem Hause Telekom stammten und der Bundle-Effekt im Denken meines Bekannten eine Auslagerung der E-Mails zu einem anderen Dienst praktisch unmöglich machten. Es hat Monate gedauert, bis ich ihn zu einem Umzug zum ohnehin schon eingerichteten, E-Mail-Dienst von Apples iCloud bewegen konnte.